Steinzeitlebensweise in der Moderne – gesund bis ins hohe Alter

Viele wissen bereits, dass wir immernoch die Gene unserer steinzeitlichen Vorfahren in uns tragen.

Dies erklärt auch, warum wir von so vielen Zivilisationserkrankungen wie z. B. Muskelschwund, Rücken- und Gelenkschmerzen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht, Krebs, Osteoporose, Karies, Allergien, diverse Autoimmunerkrankungen, Diabetes und anderen Stoffwechselerkrankungen geplagt werden.

Dass das nicht sein muss, zeigen uns sämtliche Naturvölker, die noch immer so leben wie vor tausenden von Jahren.

Die oben genannten Erkrankungen sind dort weitestgehend unbekannt.

Daher gibt es zunehmend Anhänger des Paläo- oder Steinzeitlebensstils.

Natürlich möchte keiner mehr so widrige Lebensbedingungen wie damals haben, aber der Bereich Bewegung und Ernährung lässt sich zumindest teilweise gut in den heutigen Alltag einbringen – mit erstaunlichen Erfolgen bezogen auf das allgemeine Wohlbefinden, die Energie, Gesundheit, Fitness und die Körperzusammensetzung.

Gute Beispiele für den Brückenschlag von der Steinzeit zur Moderne liefert die folgende sehr informative Dokumentation zum Thema.

Der Film ist ca. 45 min lang, zeigt tolle Vorbilder, die mit über 70 Jahren kerngesund nach steinzeitlichen Ernährungs- und Bewegungsprinzipien leben und kann online gesehen werden (roten Link anklicken):

Das Steinzeitrezept: Wie wir unsere Zivilisationskrankheiten besiegen.

Bodyweight Training – Radiopodcast

Ich hatte ganz vergessen, dass der kleine Radiobericht von “B5 aktuell – Das Fitness Magazin” (Bayerischer Rundfunk) über Bodyweight Training längst veröffentlicht wurde, der mit mir Anfang Juni aufgenommen wurde.

Darin wird ganz kurz und knapp das Training mit dem eigenen Körpergewicht vorgestellt.

Der Bericht kann unter folgendem Link nachgelesen und dort unten rechts nachgehört werden:

B5 aktuell – Das Fitnessmagazin: Bodyweight Training

Das Buch zum Thema gibt es als großes E-Book oder als gebundene, gekürzte Version.

Einen weiteren Fitnesspodcast haben wir gestern aufgenommen. Sobald er online geht, werde ich ihn hier veröffentlichen.

Training mit über 50 Jahren – Teil 2

Hier ist der zweite Teil des Trainings, welches ich mit einem Anfang 60-Jährigen durchgeführt habe, der erst vor 5,5 Jahren mit gezieltem Fitnesstraining begonnen hat.

Mit Frauen führe ich übrigens prinzipiell kein anderes Training durch.

Programm B (in jeder Einheit wird eine von zwei Trainingseinheiten durchgeführt, immer abwechselnd Programm A und B):

1) Push Press mit zwei Kurzhanteln oder Kettelbells: 2 x 8-10 Wdh.

Helmuts Werte: Spezielles Aufwärmen: 5 x 10 kg pro Seite; Training: 7 x 20 kg pro Seite und Durchgang

2A) einbeiniger, einarmiger Ruderzug (im Wechsel mit Übung 2B): 2 x 6-10 Wdh.

Helmuts Werte: 2 x 10 Wdh. mit 17,5 kg pro Seite

2B) Überkreuzliegestütz (im Wechsel mit Übung 2A): 2 x 6-10 Wdh.

Helmuts Werte: 10 und 8 Wdh.

Metabolisches Ausdauertraining:

Zirkeltraining: 2 Runden, jeweils 20 s Belastung und 40 s Pause pro Übung

1) Seitliche Ausfallschritte

2) Sprint auf der Stelle

3) Burpees ohne Liegstütz u. Sprung

4) Seal Split Jumps (Hampelmannvariante)

Hier werden die Übungen noch mal gezeigt:

Teil 1 ist hier zu sehen.

Training mit über 50 Jahren – Teil 1

Immer wieder erreicht mich der Wunsch nach Informationen über Fitnesstraining im fortgeschrittenen Alter. Meistens wird hierbei das Alter von über 50 und über 60 Jahren genannt.

Grundsätzlich kann man mit fortgeschrittenem Alter genauso trainieren, wie in jüngeren Jahren und auch die Anpassungsfähigkeit des Körpers ist prozentuell gleich. Selbst 80- und 90-Jährige können also prozentuell die gleichen Trainingsfortschritte erzielen wie 20- oder 30-Jährige.

Bei den vielen 50- bis 80-Jährigen, die ich bisher trainiert habe, sah und sieht das Training prinzipiell genauso aus wie bei den jüngeren Personen.

Die Hauptunterschiede sind folgende:

– Es wird viel mehr Zeit im Training benötigt, um die Defizite in der Beweglichkeit und der Bewegungsfähigkeit (Koordination) zu reduzieren bzw. auszugleichen.

– Bei den Übungen werden einfachere Schwierigkeitsstufen oder Widerstände/Gewichte gewählt.

– Je nach Fitnesszustand ist meist ein nahezu tägliches kurzes Training zur Verbesserung der Beweglichkeit und Bewegungsfähigkeit nötig, um wirklich sehr gute Fortschritte erzielen zu können.

Wer jedoch einigermaßen aktiv geblieben ist, kann sich bezogen auf die körperliche Fitness sehr schnell verbessern und selbst anspruchsvollste Übungen durchführen.

Ich erinnere mich noch an einen ca. 70 Jahre alten Thailänder mit Rückenbeschwerden, den ich in der Rehabilitation betreuen durfte.

Schon nach wenigen Wochen konnte ich mit ihm sehr anspruchsvolle Übungen hinsichtlich Koordination, Stabilität und Kraft durchführen. Mit keinem anderen vor Ort konnte ich derartige Übungen durchführen (z. B. einbeiniges, freihändiges “fahren” auf dem Crosstrainer! – bitte nicht nachmachen;  oder schwierige Stabilisationsübungsvarianten).

Meine pauschalen Empfehlungen zum Einstieg in ein Fitnesstraining ab ca. 50 Jahre lauten wie folgt (wobei es im Einzelfall natürlich starke Abweichungen geben kann):

1.) Führen Sie an 5-6 Tagen in der Woche  ca. 15-45 min lang Joint Mobility-Übungen durch (für mehr Informationen roten Link anklicken).

2.) Führen Sie an 3 Tagen in der Woche ein kraftorientiertes Training durch, welches aus wenigen Ganzkörpertrainingsübungen besteht (Dauer ohne Aufwärmen: ca. 15-25 min).

Die Methoden der Wahl sind hier Übungen mit dem eigenen Körpergewicht (keine Trainingsgeräte erforderlich, Übungen mit einem Slingtrainer (praktisch stufenlose Veränderung des Schwierigkeitsgrades der meisten Übungen möglich), Kettlebell-Training (Bewegungsschulung, Stabilität, Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit) und später natürlich auch Sandbag-Training.

3.) Führen Sie an mindestens 3 Tagen in der Woche ein Intervalltraining zur Verbesserung der Herz-Kreislauf- und Stoffwechselfitness durch, das die Gelenkstrukturen wenig belastet (Dauer ca. 10-30 min, inkl. Aufwärmen).

Das Training kann im Anschluss an das Krafttraining oder an den anderen Tagen durchgeführt werden. Sehr Untrainierte können hier mit Gehintervallen beginnen, ansonsten wären leichte Kraftübungen mit dem eigenen Körpergewicht, Kettlebellübungen (z. B. Swing, Clean, Figure-8 to a hold) und Seilwellen mit einem langen Tau gute Methoden. Radfahren und andere Cardiogeräte wären zum Einstieg auch möglich, wobei ich das Sitzen beim Training nicht so mag.

4.) Machen Sie viele flotte Spaziergänge von ca. 20-60 min (gerne täglich).

5.) Bauen Sie insgesamt möglichst viel Bewegung in den Alltag ein (gehen, Treppen steigen, Radfahren usw.).

Hier ist ein beispielhafter Trainingsplan eines Anfang 60-Jährigen, der erst vor 5,5 Jahren mit gezieltem Fitnesstraining begonnen hat. Nennen wir ihn mal Helmut.

Dies soll nur ein Beispiel dafür sein, was man im vermeintlichen “Seniorenalter” noch alles machen kann. Viele der jungen Sportler im Fitnessstudio schauen immer erstaunt, was wir da so treiben. An Geräten haben wir bisher nur eine Rudermaschine, einen Kabelzug und eine Klimmzugmaschine verwendet. Mittlerweile gehen die Klimmzüge aber prima ohne Gegengewicht.

Trainingsvorbereitung/Aufwärmen:

Massage mit dem Foam Roller, Joint Mobility-Übungen und dynamische Übungen, die sämtliche Gelenke im großen Bewegungsausmaß mit einbeziehen (Beispiele sind hier zu sehen). Turkisches Aufstehen ist auch mit dabei.

Erhalt/Verbesserung der Explosivität/Schnellkraft:

4 x 5 flache Sprünge auf der Stelle (Gummiboden) mit dem Ziel einer leisen Landung. Sobald die Landung leise erfolgt, wird die Sprungweite erhöht bis hin zu 2 x 5 maximalen Standweitsprüngen (leise landen!).

Metabolisches Krafttraining (Pausen so kurz wie möglich, aber so lange wie nötig):

Programm A (in jeder Einheit wird eine von zwei Trainingseinheiten durchgeführt, immer abwechselnd Programm A und B):

1) Kofferkreuzheben mit Kurzhantel oder Kettelbell: 2 x 3-5 Wdh. pro Seite, Pause hier 2,5-3 min, nachdem die Wdh. auf beiden Seiten durchgeführt wurden

Helmuts Werte: Spezielles Aufwärmen: 3 x 20 kg pro Seite; Training: 5 x 40 kg pro Seite und Durchgang

2A) Tiefe Einbeinkniebeuge am Pfahl (im Wechsel mit Übung 2B): 2 x maximale Wdh., bis noch eine Wdh. möglich wäre

Helmuts Werte: 2 x 6 Wdh. pro Seite

2B) negative Klimmzugleiter (Parallelgriff; im Wechsel mit Übung 2A): 2 Durchgänge

Helmuts Werte: 2 x 4, 3, 2, 1 Wdh. + 2 bis 3 zusätzliche Wdh. hinterher

Metabolisches Ausdauertraining:

Zirkeltraining: 2 Runden, jeweils 20 s Belastung und 40 s Pause pro Übung

1) Kniebeuge-Ruderzug-Kombination am Kabelzug

2) Überkreuzhampelmann

3) schräger Mountainclimber an Wand

4) Sprint auf der Stelle

Programm B folgt im nächsten Artikel.

Kraft- & Muskelaufbau durch HIT

Zusammen mit Dominik Feischl und Steve Maxwell habe ich letzte Woche mal wieder schweres Eisen bewegt. Wir haben eine modifizierte HIT-Krafteinheit durchgeführt.

“HIT” steht für “High Intensity Training” und der Name ist Programm.

Vereinfacht gesagt fängt beim HIT das Training dann eigentlich erst an, wenn normale Krafttrainingsprogramme aufhören, weil das Muskelversagen eingesetzt hat.

Es wird also über das positive Muskelversagen hinaus trainiert, indem z. B. noch negative Wiederholungen durchgeführt werden. Bei der negativen oder exzentrischen Bewegung, also dem Nachgeben eines Gewichts, kann der Muskel ca. 30 % mehr Kraft aufbringen als beim Überwinden eines Widerstandes.

Steve Maxwell hat u. a. persönlich mit den HIT-Pionieren der “Neuzeit” gearbeitet: Arthur Jones und Dr. Ellington Darden.

Folgende Übungen habe ich gemacht:

1. Klimmzüge mit dem 1,25-fachen Körpergewicht: 7 Wdh. + 5 negative Wdh.

2. Dips mit dem 1,3-fachen Körpergewicht: 6 Wdh. + 4 negative Wdh.

3. Kreuzheben (Trapbar) mit dem 1,5-fachen Körpergewicht: 30 Wdh.

Mein Training hat knapp 9 min gedauert, exklusive des Aufwärmens.

Mehr wollte ich auch nicht machen, denn der Trainingsreiz war intensiv genug, wie der folgende Videozusammenschnitt zeigt (da ich Kreuzheben selbst schon lange nicht mehr trainiert habe, hatte ich vergessen, den Kopf gerade zu halten…).

Dieses Training erfordert aufgrund der Intensität mindestens sieben Tage Regenerationszeit bis die gleiche Einheit wiederholt wird.

Allgemein sind solche hohen Intensitäten nur für fortgeschrittene und erfahrene Kraftsportler geeignet und sollten auch nicht länger als 6-8 Wochen lang durchgeführt werden. Physisch und psychisch ist das Training sonst zu belastend. Danach ist wieder auf ein volumenorientiertes Training zu wechseln.

Doch ab und zu kann man es je nach Zielsetzung gerne mal einbauen.

Die Effekte hinsichtlich des Kraft- und Muskelaufbaus sind bei entsprechender Ernährung und genügend Schlaf aber sehr beachtlich. Für weitere Informationen habe ich vor einigen Jahren diesen Artikel verfasst:

Einsatz- versus Mehrsatztraining

Dominik und Steve haben nach den drei oben genannten Übungen sogar noch weitere hinzugefügt: Bizepscurls mit der dicken Stange, Liegestütze mit Zusatzgewicht und Fersenheben für die Waden.

Diese “Stunts” sind sicher bald auf www.naturtraining.at als Zusammenschnitt zu sehen.

Naturtraining mit Steve Maxwell & Dominik Feischl

Hier ist ein kurzer Bericht über meine Erlebnisse der vergangenen Woche in Oberösterreich, wo ich sechs herrliche Trainingstage mit Dominik Feischl, Steve Maxwell und anderen Gleichgesinnten verbringen durfte.

Natürlich wurde auch wieder der ein oder andere Stein gehoben, geschultert, gedrückt und geworfen.

Nach einer langen Zugreise am Dienstag war ein strammes Walking durch den feuchten, kühlen Wald angesagt.

Am nächsten Tag stand dann eine harte HIT-Krafteinheit auf dem Programm (HIT = High Intensity Training, mehr zu dieser Einheit berichte ich in Kürze). Nach dieser Einheit war ausgiebige Regeneration mit Sauna und Kaltbad angesagt.

Der Donnerstag war ebenfalls mit regenerativen Inhalten gefüllt, denn die HIT-Einheit hat wie erwartet ihre Spuren in Form von Muskelkater hinterlassen. Also stand eine kleine Wanderung (45 min rauf, ca. 40 min runter) auf den steilen Berg “Sonnstein” auf den Programm, anschließend schwimmen und baden im Traunsee.

Freitag und Samstag haben Dominik und Steve dann ein hervorragendes Naturtrainingsseminar abgehalten. Die Inhalte waren u. a. Joint Mobility, das Training mit Slingtrainern, Griffkrafttraining, Zirkeltraining mit günstigen Materialien, Keulentraining, Hangeln und Klettern mit dem Pegboard, verschiedene Liegestütz- und Krabbelvarianten aus dem Tierreich, verschiedenste Atemtechniken zur Regeneration und Leistungssteigerung sowie Massage- u. andere Regenerationsmethoden.

Natürlich durfte auch das Laufen nicht fehlen. Flotten Schrittes ging es ca. 6,5-7 km um einen idyllischen und etwas abgelegenen Bergsee. Obwohl ich selten längere Strecken laufe, konnte ich durch meine Trainingsmethoden problemlos ein ziemlich flottes Tempo mithalten, was u. a. meine Ansicht über Ausdauertraining wieder einmal bestätigt hat.

Man hat uns Teilnehmern gar nicht angesehen, dass wir abends immer zwei Hauptmahlzeiten bestellt haben. Hier ist meine kleine Laufgruppe (ja, wir haben uns immer satt gegessen…):

Sonntag stand dann noch mal eine knackige Trainingseinheit im Wald auf dem Programm mit anschließendem Schwimmen und Baden im kühlen Attersee.

Jetzt gönne ich mir drei Tage mit leichten Bewegungseinheiten, um meinem Körper ausreichend Zeit zur Regeneration zu geben.

Meine wichtigsten Erkenntnisse waren wieder einmal, dass man mit geringsten Mitteln und wenig Zeitaufwand eine außergewöhnlich hohe Rundumfitness bis ins hohe Alter hinein errreichen kann und dass Joint Mobility der wahre Jungbrunnen ist und eine der wichtigsten Komponenten für eine gute Fitness, Gesundheit und körperliche Freiheit bis ins hohe Alter darstellt (Steve Maxwell ist Jahrgang 1952).

Diese Trainingsform belebt (“vitalisiert”), macht beweglicher, hält die Gelenke und den Körper jung, kann Verletzungen vorbeugen und ungeahnte Kraftzuwächse bewirken und lässt sich prima zwischendurch und zur Regeneration einsetzen.

Vielen Dank noch mal an Dominik und Steve für die großartigen Tage!

Motivation durch eine Mentalwand bzw. eine Visionstafel

Wenn man etwas von Herzen gerne erreichen möchte, dann sollte man nicht nur allein auf seine Willenskraft bauen, schon gar nicht, wenn es um Wünsche aus dem Fitnessbereich oder um die Körperfettreduktion geht. Der Wille ist in vielen Situationen einfach zu schwach.

Hier müssen Strategien her, die in solchen Momenten helfen. Da ich gerne ungesunde Sachen esse, trickse ich mich selbst aus, indem ich fast nie hungrig einkaufen gehe. Das führt dazu, dass mein Einkaufswagen in der Regel vorbildlich gefüllt ist und ich keine Süßigkeiten oder Chips zu Hause habe.

Meine Strategie lautet also: Was nicht im Haus ist, kann auch nicht gegessen werden. Habe ich also mal Lust auf Süßes, dann bleibt mir nur, Obst oder getrocknete Früchte mit Nüssen zu essen, denn andere Sachen habe ich nicht im Haus – klappt prima.

Eine andere Möglichkeit wäre, sich einen Tag in der Woche zu nehmen, an dem man sämtlichen kulinarischen Gelüsten bewusst, voller Genuss und ohne schlechtes Gewissen nachgehen kann. Man verschiebt also alles auf diesen Tag und kann dann bewusst genießen, weil man weiß, dass man schon am nächsten Tag wieder zurück auf die Straße des Erfolgs zurückkommt – bis zum nächsten Schlemmertag.

Ansonsten kann eine Mentalwand oder Visionstafel helfen, seine Ziele nicht aus den Augen zu verlieren und sich diese in schwachen Momenten bewusst wieder vor Augen zu führen.

Eine Mentalwand oder Visionstafel kann einfach ein großes Stück Pappe/Papier sein, auf dem sämtliche Wünsche und Ziele geschrieben/gemalt/geklebt sind.

Sie sollte mehrmals täglich intensiv betrachtet werden und an einer Stelle stehen, wo sie täglich gut zu sehen ist (z. B. im Bad oder Schlafzimmer). Beim Betrachten solltem Sie sich bewusst vorstellen, dass Ihre Ziele und Wünsche bereits wahr geworden sind und spüren/fühlen, was diese Vorstellung in Ihnen bewirkt.

Dadurch werden Sie täglich daran erinnert, warum Sie sich mehr und intensiver bewegen sowie viel bewusster ernähren als andere – weil Sie ein klares Ziel vor Augen haben und dieses verfolgen. Jede Tat und jeder Tag bringt Sie Ihrem Ziel entweder ein Stückchen näher oder entfernt Sie davon.

Empfohlene Inhalte einer Visionstafel:

– Endziel mit Datum als Überschrift, z. B. „1. Oktober 2011: 85 kg und/oder 15 % Körperfett!“

– ein Leitspruch oder ein Mantra als erste oder zweite Überschrift

– eventuell Zwischenziele, die dann durchgestrichen/abgehakt werden können (z. B. 3-5 kg pro Monat bzw. 0,5-1 kg pro Woche weniger)

– aktuelle Körperfotos in Badekleidung und alte, auf denen Sie sich gefallen bzw. zur Not ein Körper aus einer Zeitschrift, der Ihnen gefällt.

– weitere motivierende Fotos, Wünsche, Sätze/Slogans ergänzen (z. B. „Was andere können, kann ich auch!“ oder „Euch werde ich es allen zeigen!“, „In ein paar Wochen werdet Ihr mich kaum wiedererkennen/bin ich ein neuer Mensch.“)

Dieses Bild hat mir einer meiner “Coachies” zugeschickt, um mir einen seiner Motivationstricks zu zeigen. “KFA” ist der Körperfettanteil und ich muss anerkennend hinzufügen, dass die Zahl auf der Tüte im Laufe der Zeit nach unten korrigiert wurde, ohne die Tüte zu öffnen (ich habe von diesem Bild stets aktualisierte Versionen des Klebezettels erhalten).

Nun sollen Sie sich nicht jedes Mal mit einer Schlemmermahlzeit belohnen, wenn ein Figur- oder Fitnesszwischenziel erreicht wurde, aber hier und da kann es einen guten Ansporn geben, wenn Sie sich so etwas für einen besonderen Tag aufheben, um es dann noch mehr genießen und wertschätzen zu können.

Ein weiterer Tipp, der besonders bei Frauen gut funktioniert: „Thermometer-Jeans“ oder „Thermometer-Kleid“ auswählen.

Dies ist eine Jeans oder ein Kleid, in das Sie einmal hineingepasst haben und gerne wieder hineinpassen möchten. Wenn Sie keine entsprechende Hose haben, dann kaufen Sie sich eine schöne Jeans oder ein Kleid, die/das zwei Nummern zu klein ist und hängen Sie es für die nächsten Wochen offen sichtbar an Ihren Kleiderschrank, damit Sie immer daran erinnert werden, dass Sie da schnellstmöglich reinpassen möchten.

Je besser Sie hineinpassen, desto „heißer“ sieht Ihr Körper aus 😉 Deshalb „Thermometer“.

Nach 6-8 Wochen ist die zweite Anprobe erlaubt!

Extratipp zur Motivation: Einen Fototermin beim Fotografen in 12-16 Wochen eintragen (so lange dauern viele Fitnessprogramme), wo professionelle Nachher-Fotos von Ihnen gemacht werden.

Sixpack durch minimales Training ohne Fitnessstudio

Ich freue mich sehr, dass langsam weitere Erfolgsgeschichten über die hier beschriebenen Trainingsmethoden eintrudeln. Denn erstaunlich viele Personen glauben immer noch nicht, dass man durch kürzeres Training bessere Ergebnisse erreichen kann, wenn man es nur richtig anstellt.

Das liegt in der Regel daran, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist, dass sich ungern umstellt.  Hier ist einer, der offen genug war, Neues auszuprobieren – mit Erfolg:

“Hallo Till!

Habe im Blog gelesen, dass Du Erfolgsgeschichten ‘sammelst’. Hier ist vielleicht eine.

Habe bisher seit ‘zig Jahren, mal mehr mal weniger intensiv, Fitness/Bodyuilding gemacht. Im Studio oder zu Hause mit Rack und Olympia-Stange.

Die Erfolge waren da, aber insgesamt mäßig und mit viel Zeit, Mühe und Geld (Supplemente etc.) erkauft. Dazu hatte ich die üblichen Rücken- und Schulterschmerzen. Dachte, das sei das Alter (38) und da müsse man halt mit leben, gerade beim Kraftsport.

Bin dann zufällig über Pavels Buch ”Enter the Kettlebell’ gestolpert und habe es aus Neugier bestellt. Parallel dazu habe ich eine 16 kg Kettlebell besorgt und dann angefangen.

Hat mich sofort beim ersten Mal gefesselt und ich wusste: ‘Jo, das ist es!’. Bin dann – live am besten – zu Deinem Einsteigerseminar gegangen, damit ich die Basics gleich von Anfang an richtig mache.

Danach habe ich zu Hause das Anfänger-Programm (Swings, Get-ups) von Pavel gemacht, kombiniert mit ein paar Bodyweight-Übungen an den freien Tagen und Joint Mobility (jeden Morgen und zum Warmmachen vor dem Training). Das Ganze zusammen mit einer simplen, selbstgestrickten Low-Carb Eiweiß/Reis/ Bohnen-Diät.

Hier nach zwei Monaten Kettlebelltraining ein Zwischenergebnis (ohne aufpumpen, nur nach dem Duschen; Vergleichsfotos habe ich leider nicht):

Fitnessstudio ist gekündigt und die Joint Mobility-Übungen sind mir inzwischen wichtiger als Kaffee morgens.

Das Beste aber: Rücken- und Schulterschmerzen sind WEG! Wer die mal hatte, weiß was das wert ist. Fühle mich rundherum fitter und irgendwie… jünger 😉

Vielleicht motiviert das auch andere, die Kettlebells zu nutzen. Ich jedenfalls möchte dieses fantastische Training auch anderen empefehlen und schreibe daher diesen kleinen Bericht. Vielleicht wird dadurch noch ein Rücken gerettet…

Beste Grüße,

Kim”

Tolle Geschichte Kim und sehr motivierende Fotos, vielen Dank!

P. S.: Wer englische Literatur scheut, bekommt das erwähnte Kettlebellprogramm auch in meinem Einsteigerbuch und der Kettlebell-DVD.

Prinzipiell werden dabei an einem Tag 5 min lang Turkish Get-ups gemacht und an einem anderen Tag 12 min Swings. Das Ganze jeweils 2 x pro Woche. Kim hat es noch durch Bodyweight Exercises und eine eiweißreiche und kohlenhydratreduzierte Ernährung ergänzt.

P.P.S.: Nach wie vor biete ich inoffiziell ein 12-Wochen-Kettlebell-und-Bodyweight-Training-Programm (mit Videoanleitungen) an, das 3 x/ Woche maximal 45 min beansprucht. Infos u. Bestellung über info@healthconception.de.

Laufen: ja oder nein?

Ganz gleich, wo ich Gespräche über die (Wieder-) Aufnahme von Sport oder Fitness belausche, sehr oft höre ich heraus, dass für viele zunächst Joggen oder Laufen als erstes durchgeführt wird.

Wer (wieder) fit sein will, der geht halt erstmal laufen. Das liegt daran, dass zu Zeiten des “Eisernen Vorhangs” in der westlichen Welt der Fitnessbegriff mit einer großen maximalen Sauerstoffaufnahmefähigkeit verbunden war. Deshalb wurde bei uns das Laufen so propagiert.

In den ehemaligen “Ostblockstaaten” dagegen wurde intensiv an den Wirkungsmechanismen des Bewegungsapparates geforscht. Dort hatte der Begriff der körperlichen Fitness eher eine kraftorientierte Bedeutung.

Laufen ist die natürlichste Bewegungsform und unser Körper ist zum Laufen geschaffen.

Unsere steinzeitlichen Vorfahren sind an etwa 5 Tagen in der Woche jeweils 20-50 km in unterschiedlichen Geschwindigkeiten gelaufen. Die Frauen sind an etwa jedem zweiten Tag jeweils 10-15 km gelaufen.

A B E R: Heutzutage kann man nur noch trainierten Menschen das Laufen empfehlen.

Ein kritischer Blick auf die vielen Freizeitläuferinnen und -läufer in den Stadtparks und Wäldern lässt weitere Argumente häufig überflüssig werden, denn die Bewegungsabläufe und Körperhaltungen, die sich dabei nicht selten zeigen, sehen schon von außen ungesund aus.

Wenn Sie Ihren Körper nicht im Griff haben, sich kaum bewegen können, keine Stabilität aufweisen (sei es statisch oder in der Bewegung), Fehlstellungen haben, unbeweglich und kraftlos sind, dann gehört Laufen in der Regel zu den letzten Dingen, die Ihre Situation verbessern werden.

Obwohl der Mensch ein “Lauftier” ist, konnte die Evolution nicht erahnen, dass wir zu “Sitztieren” mutieren und Laufen uns daher nun schaden kann. Hinzu kommt, dass es aufgrund der uns fehlenden Zeit einfach eine ineffiziente Methode geworden ist, um schlanker und gesünder zu werden (mit Ausnahme von Sprintintervallen).

Ein durchschnittlicher Verwaltungsangestellter in Manhatten geht maximal 400 m am Tag. Er geht und läuft nicht wie unsere Vorfahren. Was würde also mit dieser untrainierten Person passieren, wenn sie nun plötzlich damit anfängt zu laufen und pro Schritt das Vielfache des eigenen Körpergewichts auf die Gelenke krachen lässt…?

Läufer bewegen sich nur in einer Bewegungsebene (sagittal, geradeaus) und das dafür erforderliche Bewegungsausmaß der Gelenke ist minimal, es sei denn, dass man Sprints macht.

Laufen erfordert kaum Muskelkraft (außer Sprints und Bergläufe), so dass sich die Muskulatur zurückbildet und schwächer wird. Also alles Auswirkungen, die einem überwiegend sitzenden Menschen nicht empfohlen werden können.

Für den modernen Menschen gilt die Regel: Sie sollten nicht laufen, um fit zu werden, sondern zunächst fit werden, um überhaupt laufen zu können.

Siehe hierzu auch meinen Artikel “Die dunkle Seite des Laufens“.

Wenn Sie Körperfett verlieren und Ihre Ausdauer verbessern möchten, ohne Ihre Gelenke und deren Strukturen durch tausende von wiederkehrenden Wiederholungen zu belasten, dann kann ich folgende Empfehlungen geben, je nachdem, wie schnell es gehen soll und wie viel Zeit Sie dafür investieren wollen:

3 Tage/Woche: “metabolisches Kraftraining” und “metabolisches Ausdauertraining” in jeder Einheit

4 Tage/Woche: 2 x “metabolisches Kraftraining” und 2 x “metabolisches Ausdauertraining”

5 Tage/Woche: 3 x “metabolisches Kraftraining” und 2 x “metabolisches Ausdauertraining”

Mit “metabolischem Krafttraining” meine ich, dass 2-3 Kraftübungen im direkten Wechsel oder sehr kurzen Pausen mit ca. 6 bis maximal 12 Wiederholungen durchgeführt werden, wobei am Ende jedes Durchgangs nur noch eine technisch saubere Wiederholung möglich sein sollte (z. B. abwechselnd eine Übung für den Ober- u. eine für den Unterkörper).

Alternativ wäre ein Zirkeltraining mit Kraftübungen möglich, wobei der Schwierigkeitsgrad der Übung bzw. der Widerstand ebenfalls nur die oben genannten Wiederholungszahlen zulassen sollte.

Beispiele für ein “metabolisches Ausdauertraining” finden sich hier. Sprints zähle ich auch dazu.

Prinzipiell kann man beim Ausdauertraining auch sämtliche Übungen wie beim Krafttraining einsetzten, nur mit geringerem Schwierigkeitsgrad bzw. leichteren Gewichten und höheren Wiederholungszahlen.

Seit ich meinen Klienten kein Lauftraining mehr in den Plan schreibe (außer Sprints für Fortgeschrittene), haben diese bessere Fitnessergebnisse, bezogen auf die Figur, die Kraft, die Ausdauer, die Schnelligkeit und die Beweglichkeit. Auch die körperlichen Beschwerden sind deutlich zurückgegangen. Ein weiterer Vorteil ist die verkürzte Trainingszeit.

Grundsätzlich sollten Sie sich zusätzlich zum beschriebenen Training so viel wie möglich bewegen. Das können Spaziergänge, Radfahrten oder auch Läufe sein, wenn sie fit genug dafür sind. Ferner zählen andere Sportarten oder das Herumtollen mit Kindern dazu – bewegen Sie sich einfach vielfältig und mit Freude.

Meine Antwort auf die Überschrift lautet ganz klar: jein.

Wenn Sie untrainiert sind, dann werden Sie erstmal beweglicher, stabiler und kräftiger. Gleichen Sie Asymmetrien und Dysbalancen im Körper aus und laufen Sie noch nicht. Und wenn, dann höchstens nur kurz.

Wenn Sie entsprechend kräftig, stabil, schlank und allgemein fit genug sind, um laufen zu können, dann dürfen Sie gerne laufen. Arbeiten Sie an Ihrer Lauftechnik (z. B. durch Übungen aus dem leichtathletischen Lauf-ABC). Laufen Sie nicht “stur” vor sich hin, sondern machen Sie aus dem Lauf ein Erlebnis, wie es unsere steinzeitlichen Vorfahren notgedrungen gemacht haben.

Dazu gehören viele Tempo- und Richtungswechsel sowie Crossläufe über Stock und Stein abseits von Wegen (Sie sollen jetzt aber auch nicht die Natur zerstören).

Und machen Sie sich langsam mit dem Laufen auf immer flacheren und flexibleren Sohlen vertraut bis hin zu Schuhen, die dem Barfußlaufen nahe kommen und schließlich zum Barfußlaufen selbst. Dieser Prozess kann Wochen bis Monate dauern. Ihr Körper wird es Ihnen danken.

Bis dahin ist es jedoch ein langer Weg und für die meisten gibt es vor allem zu Beginn bessere Alternativen als das Laufen (siehe oben).